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Am Meer der Seele:

offen sein für  Begegnung,

sich überraschen lassen,

bereit sein für eine Berührung,

sich wundern und bewundern,

beseelen lassen,

mit allen Sinnen leben

sinnlich sein,

zärtlich sein:

Eintauchen ins Meer der Seele.

 

 

 

 

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Café Hygge:

Endlich wieder durchatmen!

 

 

„Weit draußen im Meere 

ist das Wasser so blau 

wie die Blütenblätter 

der schönsten Kornblume“

 

Hans Christian Andersen. 

Die kleine Meerjungfrau

 

 

 

Endlich wieder am Meer! Muscheln, Möwen, Meerjungfrauen: Es ist einfach herrlich, unter offenem Himmel im Garten des kleinen Cafés zu sitzen. In der Vase stehen Blumen und Gräser der Feldraine. Meine Kleidung ist leicht. Arme, Beine und Gesicht haben schon die frische Farbe der See bekommen. Ich schaue auf das Meer. Frei ist der Horizont. Ein Schwarm Möwen verliert sich in der Weite. Ich atme durch.  

 

Undine kommt und schreibt mit blauer Kreide das aktuelle Angebot auf eine alte Schultafel. Hier an der Steilküste mit dem roten Leuchtturm gibt es einfache Kost. Ich mag Muscheln in Basilikumsoße, garniert mit Kirschtomaten und als Beilage Knoblauchbrot, dazu ein Glas gekühlten Muscadet. Doch köstlicher ist Undines marinierter Hering mit Naturjoghurt und Pellkartoffeln.   

 

Nach dem Mahl döse ich gemütlich in einem Liegestuhl. Jetzt den salzigen Duft des Meeres einatmen und mit den Augen über die Wellen gleiten: La Mer, die große Mutter des Lebens. In der Ferne zieht ein weißes Schiff vorbei. Am Strand tummeln sich kleine Mädchen in den Wellen. Sie spielen mit einer Meerjungfrau und einem Seepferdchen. Die Jungen bauen Sandburgen und verzieren sie mit Muscheln. 

 

Entspannung. Später eine Wanderung am Meer. Sanft umspielen die letzten Ausläufer der Brandung meine Füße. Endlich wieder am Meer! Mit der Armbanduhr habe ich alles abgelegt, was mir den Blick auf das Wesentliche verstellt. Ich habe keine Termine und Verpflichtungen mehr. Niemand treibt mich. Niemand erwartet etwas von mir. Vor lauter Ruhe werde ich unruhig.

 

Langsam erlerne die Kunst des Müßigganges. Ich möchte offen werden für das einfache Leben und das Glück der kleinen Dinge: Geschenke des Meeres, Muscheln am Strand. Ich hebe sie auf. Ich betrachte sie und staune: Wie wunderbar und vielfältig sind ihre Formen. Keine gleicht der anderen! Während ich mich nach weiteren Muscheln bücke, öffnet sich das Meer meiner Seele. Das Kind in mir erwacht. Erinnerungen an erste Ferien auf Wangerooge und Borkum steigen auf, Bilder von der Kurischen Nehrung, wo unsere Mutter die Sommer ihrer Kindheit verbrachte. Dann sehe ich den Vater. An vielen Stränden der Welt sammelte er Sand. Gelben Sand, roten Sand, schwarzen Sand - welch eine Fülle von Farben!

 

Sand ist das Symbol der verrinnenden Zeit. „Auch ich bin älter geworden“, durchfährt es mich. „Wieviel Zeit auf Erden ist mir geschenkt worden?“  Ich denke den Gedanken und gebe ihn wieder frei. Wie die Welle in den Ozean, so fließt er in das Meer der Seele zurück. Schon steigen andere Bilder in mir auf. Die Mutter besaß eine kleine Eieruhr, durch deren Glas ein weißer Silbersand rieselte und die Minuten anzeigte. Mit Sand wird auch der Zement angerührt, der Steine zu Mauern zusammenfügt. Die Muschel besteht aus Kalk. Sie kann als Baustoff genutzt werden. 

 

Geheimnisvoll wie die Muschel ist die Seele. Was wissen wir schon über unsere Eltern? Wir kennen nicht einmal uns selbst. 

 

Muscheln  kreuzen  plötzlich unseren Weg. Das Meer des Lebens schenkt sie uns. Wir können sie übersehen, bewusst über sie hinwegschreiten, sie unachtsam verletzen oder uns bücken und sie aufheben.  Wie die Liebe, so ist auch die Muschel ein Geschenk. Muscheln und Menschen brauchen Zuwendung. So geht der Muschelsammler achtsam vor der Muschel in die Knie. Nicht er hat sie, sie hat ihn gefunden. Sie trat in sein Leben, doch er hob sie auf. 

 

Beim Muschelsammeln stellen sich die wesentlichen Fragen des Lebens ein. Wie die Muschel aus der Tiefe des Meeres, so steigen sie aus der Seele empor. Ich will ihnen nachspüren, denn sie gehören zu meinem inneren Reichtum. 

 

„Lehre mich die Kunst des Müßiggangs!“, bitte ich Undine. Sie überreicht mir ein Geschenk des Meeres. Geschenke des Meeres - so nennt sie ihre kleinen Gedichte:

 

 

Muscheln sammeln,

müßig gehen am Strand:

Nichts suchen,

nichts mehr im Sinn haben,

ruhig werden,

endlich Durchatmen und Auftanken,

den Alltag vergessen,

sich von einer frischen Brise

neue Inspirationen schenken lassen,

den Möwen zuschauen und

die Flügel der Seele ausbreiten,

eine Muschel in die Tasche stecken und

sie mit nach Hause nehmen,

das Geschenk des Meeres in den Alltag holen.

 

 

 

 

 Im  Meer der Seele: 

Staunend sind wir ins Leben getreten.

Staunend dürfen wir die Welt erkunden.

Staunend erfahren wir: unser Leben macht Sinn

Staunend begreifen wir: wir sind gewollt.

Staunend erkennen wir das Grundmuster unseres Lebens.

Staunend erfüllt uns Dankbarkeit

 

 

Vom inneren Hören

 

 

Sei ganz Ohr.

Finde ein neues Gleichgewicht.

Verweile,

übe dich in Geduld.

Werde empfindsam  für die leisen Töne.

Harre aus in der Stille,

bis die innere Stimme erklingt,

deine Lebensmelodie.

 

 

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Sandkörner:
Den Schmerz in eine Perle verwandeln
 

 

 

Die Betrachtung der Perle weckt in uns das Gefühl der Vollkommenheit. Staunen, Bewunderung, Ehrfurcht erfüllen die Seele. Auch das Gedicht, ein Ballett, ein Kunstwerk oder Gang durch eine gothische Kathedrale können uns erheben. Das  Vollkommene atmet Leichtigkeit. Wer denkt beim Anblick der Perle an das Sandkorn, das sie umschließt? Keine Spur verrät das Gedicht von der mühsamen Suche nach dem treffenden Wort. Leicht wie ein Vogel schwebt die Tänzerin  über die Bühne. Ihre Bewegungen erinnern nicht an den langen Weg der täglichen Übung. Das vollendete Gemälde läßt die zahlreichen Entwürfe vergessen. Der himmelstrebende Bau der Kathedrale wirkt wie aus einem Guss. Wer dächte bei seinem erhabenen Anblick an das mühsame Behauen der Steine und den Sand, der zwischen den Fugen als Mörtel gerann? Mühsal, Schmerz, Entbehrung und Erdenschwere sind verwandelt in Schönheit.

 

 

 



Staunend stehe ich vor dem Geheimnis der Muschel. Auch die Perle ist verwandelter Schmerz. Die Biologie lehrt über die Entstehung der Perle folgendes: Zwischen die Schalen der Muschel ist ein Fremdkörper eingedrungen. Ein Sandkorn zum Beispiel. Das Muschelfleisch ist weich und empfindsam wie unsere Haut, die leicht von einem Dorn oder einem Holzsplitter verletzt werden kann. Uns schmerzt der Fremdkörper. Bald rötet sich die Wunde. Sie pulsiert und wird eitern, wenn es uns nicht gelingt, den Splitter mit einer Nadel aus dem Fleisch zu ziehen. Die Muschel kann das Sandkorn nicht ausspeien.  Mit den Zellen der Manteloberfläche, aus denen die Muschel  ihre Schalen bildet, umschließt sie den Fremdkörper und bildet so die Perle. Sie ist wie die Muschelschale aufgebaut, nur in umgekehrter Richtung. Die glänzende Perlmuttschicht auf der Innenseite der Muschel ist auf der Perle zur Außenseite geworden. Auf der spirituellen Ebene erzählt die Entstehung der Perle von der Kraft der Verwandlung, die in jeder Seele ruht. Die Muschel sagt:

 

Höre ein Geheimnis:

Was dich verletzte,

was dich verwundete,

es hat dich auch befruchtet.

 

Du zweifelst:

Denke an den Freund oder die Freundin,

die Eltern oder die Kinder,

deine Erfahrungen in Schule, Studium oder Beruf,

an alle Wunden,

die dir das Leben schlug

durch eigene oder fremde Schuld:

Ließen sie dich nicht

wachsen,

reifen

und

Perlen bilden?

 

 

Die letzte Reise

 



Geheimnisse können nicht erklärt oder bewiesen werden.  Wir müssen ihrer Wahrheit nachspüren: Ist das Bild für mich stimmig? Kommen meine Erfahrungen zum Ausdruck? Finde ich mich in dem Bild wieder? Geheimnisse offenbaren sich nicht zu jeder Zeit. Ich muss Geduld mit ihnen und mit mir haben. Irgendwann werde auch ich spüren: Auch mein Schmerz wird in eine glänzende Perle verwandelt werden.  Die Muschel sagt:

 

Verdränge den Schmerz  nicht,

sondern verwandle ihn in die Perle!

Du hast heilende Kräfte in dir!

Vertraue auf die Kraft der Wandlung in deiner Mitte!

Vielleicht hast du sie noch nie gespürt.

Aber sie ruht in dir.

Sie gehört zu deinem inneren Reichtum.

 

 

Sandkörner


 


Perlen sind verwandelter Schmerz. Welch ein Mysterium! Um das Sandkorn in eine Perle zu verwandeln, bedarf es vor allen Dingen der Geduld. Geduldig sein heißt nicht, alles zu dulden und  Demütigung hinzunehmen. Im Vertrauen auf die geheimnisvolle Kraft der Verwandlung aber ist die Muschel  stark und beharrlich. Sie läßt sich nicht leicht enttäuschen und gibt die Hoffnung  niemals auf. Sie wirkt im Stillen, aber mit Entschiedenheit. Die Muschel sagt:

 

Spüre in dir die Kraft der Verwandlung!

Wandle

das Sandkorn der Mühsal

in die Perle der Leichtigkeit,

das Sandkorn des Schmerzes

in die Perle der Freude,

das Sandkorn der Entbehrung

in die Perle der Fülle,

das Sandkorn der Enttäuschung

in die Perle der Zuversicht,

das Sandkorn der Ungeduld

in die Perle der Geduld,

das Sandkorn der Eifersucht

in die Perle der Toleranz,

das Sandkorn der Ungerechtigkeit

in die Perle der Gerechtigkeit.

 

Perlen wachsen nicht in wenigen Tagen, und der Schmerz ist nicht im nächsten Augenblick überwunden.  Alles braucht seine Zeit.  Schicht um Schicht umhüllt die Muschel das Sandkorn mit Perlmutt. Unendlich langsam wächst die Perle in ihr. Noch lange spürt die Perle das Sandkorn in sich. Doch eines Tages wird der Schmerz eine ferne Gedächtnisspur sein, bis er sich schließlich ganz in der Erinnerung verliert. Dann werden wir eine reine Perle sein. Doch noch ist der Weg weit.

 

 

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