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Tango: Über die Grenze hinaus


 

"Die du mir Jugend und Freud und Mut

Zu neuen Liedern und Tänzen gibst..."

Goethe. Mailied

 

 

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Hier sitzen Michelle und Joachim unter Teilnehmenden des Workshops Halle (2016),

doch können sie auch engelgleich schweben. Ein einfach himmlisches Paar:

http://www.michelleyjoachim.com

 

 

 

"Ich sehe im Tango einen spirituellen Anteil,

zu dem nicht alle Tänzer Zugang finden, manche auch nie."

 

Tio Tarlo. Boletin del Tango 40/2006

 

 

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Aufforderung zum Tanz 

 

Der Tango beginnt mit der Aufnahme eines Blickkontaktes (Cabeceo). Das Bild entstand auf unserem letzten Seminar Tango Flora Danica© und zeigt verschiedene Formen des Cabeceo. Nur eine  halten wir für angemessen.

 

 

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Das Lächeln der Tänzerinnen könnte missverstanden werden. Blickkontakt durch eine Sonnenbrille wirkt überheblich. Zudem sollte Mann nicht mit dem Finger auf die Dame zeigen. Tangohund Tobit macht es richtig: Offener Blick und tief durchatmen. So hat er es von Ricardo El holandés  (http://www.tango-argentino.info)  , dem letzten Meister des Tango alter Schule, gelernt.

 

 

 

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Tango ohne Hund ist möglich, aber nur eine Halbe Sache wie

Aníbal Troilo (Pichuco)

und sein Hund Alma zeigen.

 

 

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Meine entschiedene Literaturempfehlung:

 

 

Wie die Brüder Grimm einst durch die Lande zogen und alte ErzählerInnen nach Märchen befragten, um dem drohenden Verlust von Erinnerung zu wehren, so hat Ralf Sartori die Geschichte der Wiederkehr des Tangos in Deutschland aufgezeichnet: "Die, welche sich heute noch an die Anfänge erinnern, stehen nicht ewig zur Verfügung, ihre Geschichten werden auch zu ihren Lebzeiten weiter verblassen und verwehen, wenn wir sie nicht jetzt endlich festhalten." Das hat Ralf Sartori in wunderbarer Weise getan.

Band 1 und 2 der Tango-Berlin-Buchtrilogie sind im Rahmen der ersten Tango-Buchreihe weltweit, Tango Global, erschienen, die Ralf Sartori herausgibt. Die Inhaltsangaben zu den Büchern befinden sich unter  http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-argentino-berlin-buch-trilogie/tango-berlin-band-2 und unter  http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-argentino-berlin-buch-trilogie

 

 

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Sie führte, ich folgte: Unsere Lehrerin Doña Martina 

 

 

Der berühmteste Tango Vals trägt den Titel "Desde el alma". Er wurde von einem vierzehnjährigen Mädchen aus Montevideo komponiert. Die Pianistin Rosita Melo (1897-1981) heiratete 1922 Victor Piuma Velez. Er schrieb den ersten Text (Poesia) zu diesem Klassiker:

 

"Auch ich, aus ganzer Seele

brachte dir meine Zärtlichkeit dar,

bescheiden und arm,

aber rein und gut,

wie die Liebe einer Mutter,

wie die Liebe zu Gott.

Nach so vielen Leid

ließ deine heilige Liebe mich

die Bitterkeit vergessen,

die ich bis gestern

in Seele und Herzen bewahrte."

 

 

Tango ist Leben nach dem Schiffbruch oder eine "Kultur des Scheiterns" (http://haerter-tango.info/kurzberichte_Nr_10.htm). An einen Balken geklammert, trieb ich auf dem Meer des Lebens. Da tauchte neben mir eine jener Meerjungfrauen auf, von denen Hans Christian Andersen berichtet. Meine lille Havfrue heisst Undine. 

 

 

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Im August 2008 meldete sie uns zu einem Tango-Kurs an. Sie führte, und ich folgte ins Tango Milieu Hannover ("Tango vom Rio de la Plata") zu der Lehrerin Martina Meyer. Von allen wird sie respektvoll Doña Martina genannt. Doña Martina und Josch sind Schüler von Juan Dietrich Lange. Sie unterrichten seit gut 25 Jahren in Hannover.

 

 

Doña Martina ist eine Institution und längst hinausgewachsen über alle anderen LehrerInnen. Ihre Milonga am Sonntagnachmittag hat Kultstatus. Nirgendwo in Deutschland werden TänzerInnen jene typisch argentinische Mischung aus gemütlicher Geselligkeit, offener Gesprächsatmosphäre und wunderbarer Musik finden. Doña Martina ist Mama Tango in dem Sinn, wie die Sizilianischen Clanchefs ihren Müttern absoluten Respekt zollen.

 


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Der Tango feiert das Mysterium der Begegnung. Wo sich Menschen begegnen, sind auch Engel: „Milonga eines Engels“, „Tanz eines Engels“, „Tod eines Engels“, „Auferstehung eines Engels“ heißen berühmte Kompositionen Astor Piazzollas (1921-1992). Der Erneuerer des Tangos hat auch zwei Zyklen „Del Diablo“ und „Del Angel“ komponiert.

  

Wie die Schönheit der Perle, so ist der Tango überwundener Schmerz. Jedes Paar zelebriert ihn auf eigene Weise. Die Figuren, die der Anfänger lernt, sind wie die Sprossen einer Leiter, über die man eine neue Ebene erreicht. Wer den Figuren verhaftet bleibt, wird das Geheimnis der Begegnung niemals erfahren. Der Tango beginnt, wo das Figurentanzen aufhört. Tango ist wie das Leben eine Improvisationskunst. Das dialogische Spiel aus Führen und Folgen verlangt ein waches Körperbewusstsein. Es lebt aus der Wahrnehmung des Partners, aus Einfühlungnahme und zugleich aus dem Willen zur Verantwortung für den Ablauf der Bewegung. Tango ist Empathie. Der Führende weist den Weg, indem er Erfahrungsräume anbietet und aufnimmt, was ihm hier geschenkt wird. So wird der Führende zum Geführten.

 

Der Tango lebt aus dem Einfachen: Das ruhige Gehen, die innigen Drehungen und das Umkreisen der Mitte. Die Mitte ist ein spiritueller Schlüsselbegriff. Im Tango liegt sie zwischen den Tänzern. Sie ist der unsichtbare Raum, in den Seele und Herz eintreten. Hier werden sie als Paar zu jener mystischen Einheit, von der die Genesis spricht. "hombre, mujer y pareja", sagt Rodolfo Dinzel. Nur wer sich an der Mitte orientiert, bleibt auch beim Partner. Im schöpferischen Zusammenspiel von Führen und Folgen entfaltet sich das Geheimnis der Mitte. Wie im Leben will das nicht immer gelingen. 

 

Auch der Weg der Geführten verlangt einen langen Atem. Er setzt Vertrauen voraus, verlangt Geduld und vor allem den Willen, sich führen zu lassen. Auf diese Bereitschaft sind selbst Schutzengel angewiesen. Tango ist die Erfahrung eines der großen Grundmuster des Lebens: Einerseits gebunden durch unsere Natur, unsere Prägungen und Erfahrungen sind wir dennoch frei. Der Tango lebt aus der Achtsamkeit auf das, was mir im Leben entgegentritt, und der kreativen  Freiheit, mit der ich es aufnehme und weiterspiele. Wie jeder Übungsweg, so kommt auch der Tango an kein Ende. Tango ist wie das Universum unendlich. 

 

Vor allen Dingen aber schenkt er Lebensfreude für alle - wie die Bilder mit der bedeutenden Tanzpädagogin und Choreographin Mabel Elena Rivero beweisen.

 

 

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Vom Geheimnis

 

 

 


Tango ist eine kleine Messe, die das Geheimnis des Lebens feiert. Ich hatte den Tango im Blut. Denn bereits im Jahr 1959 begrüßten wir den Heiligen Nikolaus im Kindergarten St. Ida mit einer Moulinete.

 

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Passend zur Mitra des Heiligen trugen wir rote Pilzhüte.

Frühe Erlebnisse prägen.

 

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"Ein Tangopaar kann für einen Zuschauer von einer

überwältigenden Schönheit sein,

die fast schon physisch schmerzt."


Lothar Staudacher (Tio Tarlo). 

Boletin del Tango 50/51 (2009)

 


 

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"Dann aber wird er die Schönheit in den Seelen

für köstlicher halten als die im Leibe..."

 

Platon. Symposion 210b

 


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Lothar Staudacher (Tio Tarlo) hat mit gut sechzig Ausgaben des "Boletin del Tango" die wichtigste deutschsprachige Kulturgeschichte des Tangos geschieben. In der Jubiläumsausgabe vom Mai 2009 nimmt er Bezug auf Platons Dialog "Symposion" und den Mythos vom Kugelmenschen. Das Geheimnis des Tangos ist die Erfahrung des Schönen. Sie ist eine Idee, also etwas Überweltliches:

 

"Hierin liegt eine wirkliche Initiation. Man kann es nicht vorhersagen, nicht aktiv verfolgen, weder sich wünschen, noch provozieren, es passiert entweder oder es passiert nicht. Aber wenn es einmal passiert ist, dann willst du es wieder haben, ab dann bist du auf der Suche.

 

Es wird von vielen Leuten berichtet, dass sie eine Art metaphysisches Erlebnis haben, einen Flash, du bist außer der Zeit, du fühlst dich von oben auf geheimnisvolle Weise gezogen in eine andere Welt. Die Beschreibungen sind ganz komisch! Anderen geht eine Art inneres Licht auf...

 

Im übrigen, es ist nie so, dass nur ein Teil des Paares von solchen Erlebnissen berichten kann. Wenn, dann spüren es immer beide zugleich!"

 

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