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Kinder brauchen Schutzengel und Heilige

auch in Kindergarten und Schule:

 

Thesen zu einem pädagogischen Gespräch

 

 

 

 

Kinderbriefe an den Schutzengel

 

 


1. Die Wiederkehr der Engel

 

Die folgenden Thesen zeigen, dass Engel als didaktisches Prinzip von Gottes Offenbarung Anknüpfungspunkte für den interreligiösen, interkul­turellen, alle Zeit- und Lebensalter umspannenden Dialog stiftet. Der Engel eröffnet den Zugang zu Glaubensvorstellungen in Geschichte und Gegenwart und ermöglicht in Religionsunterricht und Gemeindearbeit den kritischen Dialog zwischen christlichem und nichtchristlichem Gottesbild.

 

These 1

Engel gehören zur Sprache der Offenbarung. Die ganze Bibel bezeugt im Alten und Neuen Testament Gottes Wirken durch die Engel. Damit bereichert sie die Rede von Gottes Eingriffsmöglichkeiten in die Geschichte durch Christus, den Heiligen Geist und die Propheten. Ein Verzicht auf die Rede von Engeln bedeutete eine Verarmung der Sprache der Offenbarung.

 

These 2

Engel gehören zur Sprache aller monotheistischen Religionen. Das Christen­tum teilt mit den großen monotheistischen Bruderreligionen Islam und Judentum die Mittlerfigur des Engels. Kein Monotheismus kann ohne sie gedacht werden. Der interreligiöse Dialog unter dem Aspekt der Engelvor­stellung führt zur Erkenntnis gemeinsamer Sprach- und Offenbarungstradi­tionen und damit zur Toleranz.

 

These 3

Engel gehören zur gemeinsamen Sprache von Altem und Neuen Testament. Während Christus erst im NT erscheint, die Propheten des ATs wiederum verschwinden, bleibt die Mittlerfigur von Gottes Geist, der Engel, von der Genesis bis zur Apokalypse ungebrochen gegenwärtig. Stärker als die neu­testamentliche Typologie vernetzt die Gestalt des Engels AT und NT und kann somit eine unbelastete Grundlage für den jüdisch-christlichen Dialog bilden.

 

These 4

Engel bringen Gott ins Gespräch. Die Rede vom biblischen Zentralmedium Engel eröffnet einen neuen, interessanten und unverbrauchten Zugang zur Frage nach Gottes Geist und seinem Wirken. Stärker als die durch Vertraut­heit und formelhaften Gebrauch unscharf gewordenen Sprachformen der, Rede von Christus (Christologie) und seiner Heilsbedeutung für den Menschen (Soteriologie), provoziert die Rede von Gottes Engeln Neugierde und Nach­denklichkeit über das Wirken Gottes in der Welt (3. Artikel). Bereits die Namen der biblischen Engel deuten den Hinweischarakter ihres Erscheinens an. Als Mittlerfigur zwischen Gott und Mensch bringt der Engel beide ins Gespräch.

 

 

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These 5

Engel richten den Blick auf Gottes Geist. Die Wiederkehr der Rede von Engeln in Dichtung, Film und in der Kunst steht in Zusammen­hang mit der Suche nach einer neuen Spiritualität. Christen können im Dialog mit diesem Zeitgeist ihr Erbe neu entdecken.

 

These 6

Engel zeigen die wahre Gestalt des Menschen. Die Rede vom Schutz- oder Begleitengel eröffnet ein neues Nachdenken über das Wesen und die wahre Gestalt des Menschen vor Gott. Der Engel zeigt als ein Wesen der dienenden Hingabe an Gott das Bild der reinen Schöpfernatur (Gottes Ebenbild) und setzt so einen Kontrast zur gebrochenen Existenz des Menschen. Damit eröffnet er einen neuen Zugang zu dem heute schwer zu vermittelnden Sün­denbegriff.

 

These 7

Engel bringen Christus ins Gespräch. Indem der Engel in der Welt das wahre Bild des Menschen erscheinen läßt und damit einen Kontrast zur gefallenen, sündigen Natur schafft, weist er auf die Notwendigkeit der Erlösung hin.

 

 

 

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These 8

Engel befreien aus der Ichbezogenheit. Der Engel stellt den einzelnen Menschen in einen sozialen und religiösen Kontext und stiftet damit ein ganzheitliches Ich- und Welterleben. Er führt aus der Ichbezogenheit und Vereinzelung zum Dialog. Somit ist er ein kritischer Gesprächspartner der Sicht des Menschen in Psychologie, Psychoanalyse und Anthroposophie.

 

These 9

Engel stellen die christliche Gemeinde in einen kosmischen Zusammenhang. Im Gesang und Gebet des Gottesdienstes ist die Gemeinde Teil der univer­salen Gemeinschaft des Gotteslobes.

 

These 10

Engel stellen Umwelt her. Der Engel setzt den Menschen in ökologische Kontexte und lehrt die Welt als Einheit zu sehen. Er führt zu einer ganz­heitlichen Sicht des Menschen und der Welt. Eine theologische Ethik, die ökologische Horizonte zu denken wagt, wird sich auf Gottes Engel besinnen dürfen.

 

These 11

Engel bringen Bibel, Tradition und Gegenwart ins Gespräch. Der Engel ist nicht nur Medium der Vernetzung biblischer Offenbarungen Gottes in höchst unterschiedlichen Kontexten, sondern in seiner Gestalt befreit Gott auch in nachbiblischer Zeit den Menschen. Das gilt von den Kirchenvätern, den Heiligen, über das gesamte Mittelalter bis zur Gegenwart. Keine biblische Mittlerfigur kann so wie der Engel auf eine ungebrochene Präsenz verwei­sen. Diese zeitliche und räumliche Allgegenwart des Engels ermöglicht Anknüpfung und kritischen Vergleich gegenwärtiger Gotteserfahrung mit denen der Bibel.

 

These 12

Engel fördern den ökumenischen Dialog. Im Gegensatz zur katholischen Verehrung der Gottesmutter und der Heiligen ist der Engel eine von allen Konfessionen geteilte Mittlerfigur. Er ermöglicht besonders den Dialog mit der griechisch- und der russisch-orthodoxen Kirche.

 

 

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These 13

Engel bringen Dichtung, Kunst und Theologie ins Gespräch. Dichtung und Kunst haben die religiöse Vorstellungswelt entscheidend beeinflußt. Die wechselseitige Beziehung von Dichtung, Kunst und Theologie kann am Bei­spiel der Engel exemplarisch verdeutlich werden. Damit wird die Rolle der Tradition als einer neben der Bibel das christliche Bewußtsein prägenden Kraft sichtbar.

 

These 14

Engel geben Einblick in die Entstehung der neutestamentlichen Gedanken­welt. Die neutestamentlichen Welt- und Gottesbilder sind unter Aufnahme, Abgrenzung und Umformung von Vorstellungen der religionsgeschichtlichen Umwelt Israels entstanden. Diese Genese kann am Beispiel der vorchristli­chen und außerchristlichen Engelvorstellung - wie sie etwa in der jüdisch­apokryphen Tradition dokumentiert ist - exemplarisch erschlossen werden.

 

These 15

Der Engel begleitet den Menschen durch alle Lebensalter. Die Rede von den Engeln gehört in den Kontext elementarer Anfänge religiöser Erziehung (Gebet mit den Eltern, Kindergarten, Grundschule), wo grundlegende und bleibende religiöse Vorstellungen geprägt werden, und in den Kontext der Rede von den letzten Dingen (Sterben, Tod, Auferstehung). Er verbindet somit nicht nur biblische und außerbiblische Tradition, christliche und außerchristliche Glaubenwelten zu einem Dialog, sondern auch die Lebens­alter der Menschen.

 

 

 

 

 

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2. Heilige als Leitbilder

 

 

Religiöse Erziehung ermutigt zu einer immer wieder neu zu vollziehenden Begegnung mit dem geistigen und geistlichen Erbe. Für eine Didaktik des Heiligen und der Heiligen als europäischen Leitbildern möchte ich folgende Leitlinien zur Diskussion stellen:

 


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1. Die Mitte jeder hagiographischen Erzählung ist die Begegnung eines Menschen mit Gott. Hagiographien haben in allen didaktischen Prozessen eine herausragende Bedeutung, weil hier von glaubwürdigen Gotteserfahrungen im biographischen Kontext anschaulich und erfahrungsbezogen gesprochen wird. Hagiographisches Erzählen richtet den Blick auf religiöse Schlüsselerfahrungen und führt daher immer zu letzten Fragen der Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

 

2. Religiöse Schlüsselerfahrungen haben eine bleibende Bedeutung in der Biographie eines Menschen. Als Prägungen begleiten sie den Lebenslauf und bestimmen die Lebensmelodie. Sie gehören zum Geheimnis einer Person. Religiöse Erziehung bietet die Chance einer Bewusstwerdung und Versprachlichung dieser individuellen Erfahrungen im geschützten Raum einer kirchlichen Erzählgemeinschaft, die den Menschen von Gott her versteht.

 


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3. Heiligenleben zeigen einen Weg der Erschließung von religiösen Erfahrungen. Im Gewand der Erzählung eines fremden Lebens können sich eigene Erfahrungsmuster spiegeln. So bietet diese indirekte oder nicht-direktive Methode einen geschützten Raum, in dem Persönliches zur Sprache kommt, ohne dass die Würde einer Person verletzt wird.

 

4. Hagiographien sind ideale Grundlagen für religiöse Bildungsprozesse, weil sie sowohl über historische Gestalten informieren als auch das Bleibende in ihnen aufleuchten lassen. So schulen sie emotionale und kognitive Kompetenzen und leisten einen Transfer zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

 


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5. Hagiographisches Erzählen respektiert den innersten Bezirk des Heiligen, der sich jeder abschließenden Deutung entzieht. Zugleich stiftet es Mut, von diesem Geheimnis im geschützten Raum der Kirche zu sprechen: „Mein Geheimnis gehört mir und den Söhnen meines Hauses.“

 

6. Hagiographisches Erzählen schult das Sprachbewusstein. Religiöse Vermittlungsprozesse setzen – wie das Gespräch über Malerei, Kunst oder Lyrik – den Erwerb einer Fachsprache voraus. Heiligenviten machen Mut, religiöse Erfahrungen von innen her zu erschließen und als einen eigenen Bereich zu sehen, der nicht einfach in eine andere Sprache übersetzt werden kann. Wer fremde Gotteserfahrung nicht nur kognitiv verstehen will, muss sich auf sie einlassen. Insofern ist Empathie eine zentrale religiöse Kompetenz.

 

 

 

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7. Religiöse Erfahrung weist über sich hinaus in eine andere Wirklichkeit. Daher gehört zur Hagiographie eine transzendente Dimension. Sie lädt ein, das eigene Leben im Spiegel der Heiligen und ihrer Nachfolge Christi zu transzendieren.

 

8. Die Sprache der religiösen Erfahrung ist das Symbol. Religiöse Erziehung wird daher eine Einübung in die Symbolsprache sein. Ohne sie gibt es auch kein religiöses Erleben der Liturgie.

 

9. Hagiographie erinnert an die erzieherische Verantwortung der Kirche. Durch den Religionsunterricht trägt sie nicht nur zur Werteerziehung bei, sondern zur Erinnerung und Bewahrung der jeder Generation von neuem anvertrauten christlichen Kultur in Bibel, Gesangbuch, Kunst, Dichtung und Philosophie.

 

10. Eine Vermittlung christlicher Leitbilder im europäischen Horizont weiß sich dem jüdischen Erbe bleibend verbunden.

 


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11. „Das Evangelium ist das Schicksal; mit der Existenz des Christentums steht und fällt Europa.“ (Walter Nigg) Hagiographie ermuntert, im europäischen Horizont zu denken, und fordert dazu auf, die Einheit Europas von ihrer gemeinsamen christlichen Wurzel her zu sehen. Die Curricula dürfen sich daher nicht nur in der Benennung von formal bestimmten Kompetenzen erschöpfen, sondern müssen Inhalte und Leitbilder europäischer Identität benennen. „Große Heilige“ sind auf diesem Hintergrund ein Entwurf von Leitbildern, wie sie auch Johannes Paul II. vor Augen hatte, als er am 1. Oktober 1999 Katharina von Siena, Edith Stein (Teresia Benedicta a Cruce) und Birgitta von Schweden zu Patroninnen Europas erklärte. Sie alle helfen, den Blick auf das Eine zu richten.

 

12. Der Begriff des Geheimnisses sichert die Würde des Menschen als Gottes Ebenbild gerade im Zeitalter moderner Technologien. Als pädagogische Kategorie mahnt er, niemals die in Gott begründete Würde einer Person zu vergessen. Der Mensch ist ein Geheimnis Gottes. Eine Pädagogik, die vom Geheimnis des Menschen weiß, ermuntert auch Lehrer und Lehrerinnen, als authentische Personen erkennbar zu sein. Die Ehrfurcht vor dem letzten Geheimnis der Seele ist untrennbar mit der Ehrfurcht vor Gott verbunden. Vor ihm beugen Himmel und Erde die Knie und stimmen in das Trishagion der Seraphim ein. Der Begriff des Geheimnisses verweist daher auf die unergründliche Herrlichkeit Gottes, die seine Kirche in der Liturgie, den Sakramenten und den Heiligen feiert:

 

„Sanctus, sanctus, sanctus

Dominus Deus Sabaoth.

Pleni sunt coeli et terra gloria eius.“

 

 

 

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