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Die Besessenen:

Vom vergeblichen Versuch einer Studentin den

Terror der Rote-Armee-Fraktion zu bremsen

  


Anneliese Michel (1952-1976) erlebte die Umbrüche in den späten Sechziger Jahren mit grosser Verstörung. Als die Baader-Meinhof-Gruppe Kaufhäuser in Brand setzte, Bomben zündete und Menschen entführte und ermordete, glaubte sich Anneliese von den bösen Geistern der Zeit in Besitz genommen. Ihre Seele wurde zum Schauplatz des Terrors. Sie starb im Vorfeld des deutschen Herbstes.

 

 Anneliese Michel ist ein Kind der Fünfziger Jahre. Hypersensible Menschen wie sie spüren den Riss, der durch die Zeit geht. Feinfühlig nehmen sie eine Bedrohung wahr, die andere Menschen nicht sehen können oder wollen. Gleich Schriftstellern und Künstlern zeigen sie wie Seismographen kommende Erdbeben an. Doch manchmal steigern sie sich auch in Vorstellungen hinein, die gefährlich werden können.

 


 

 

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Als die Zeitungen im Februar 1977 vom Schicksal der Anneliese Michel berichteten, studierte ich im zweiten Semester Evangelische Theologie in Münster. Im Neuen Testament musste ich einen biblischen Text auslegen. Der Professor hatte Mk 1.21-28 ausgewählt. Ein Klassiker. Jesus treibt Dämonen aus. Dass biblische Texte nicht wörtlich zu nehmen sind, galt damals als ausgemacht. Engel und Dämonen gehörten zu einem längst überholten antiken Weltbild. Mein Professor war ein typischer Vertreter jener moderen Theologen, die an nichts mehr glaubten. Wir jungen Studenten der Theologie  durften nicht jene Fragen stellen, die auf der Hand lagen. Es war eine Zeit des Denkverbotes.

 


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Dies ist wohl der Grund, warum ich Jahre später die Biographie der Anneliese Michel schreiben musste. Sie erschien im Jahr 1999 unter dem Titel "Das bricht dem Bischof das Kreuz. Die letzte Teufelsaustreibung in Deutschland 1975/76" im ROWOHLT Verlag. Hans-Christian Schmid hat auf sie für seinen Film "Requiem" (2006) zurückgegriffen.

 

Bei den Recherchen stand mir Annelieses Schwester Roswitha zur Seite. Sie schrieb mir (29. Oktober 2004)  nach der Lektüre meiner Biographie:

 

"Ich war von Anfang an begeistert über die Art und Weise, wie Du das Buch geschrieben hast, und ich möchte Dir endlich aus ganzem Herzen danken. Denn das Buch ist wirklich von so überwältigender Klarheit und Wahrheit und keinem anderen auf dieser Welt wäre es gelungen, dieses Buch so zu schreiben. Du hast es auch fertig gebracht, die Leser vorurteilslos in unsere Situation zu versetzen und trotzdem immer wieder Deinen klaren Menschenverstand benutzend und einem roten Faden folgend die Dinge im welt- und kirchenpolitischen Zusammenhang sehend, auch unter religiösen Aspekten (Ausbilder für Religionslehrer) betrachtend, den Fall „Anneliese Michel“ zu beleuchten."