Tango: Ein Erfahrungsbericht

 

"Die du mir Jugend und Freud und Mut

Zu neuen Liedern und Tänzen gibst..."

Goethe. Mailied

 

 

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"Ich sehe im Tango einen spirituellen Anteil,

zu dem nicht alle Tänzer Zugang finden, manche auch nie."

 

Tio Tarlo. Boletin del Tango 40/2006

 

 

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Aufforderung zum Tanz 

 

Der Tango beginnt mit der Aufnahme eines Blickkontaktes (Cabeceo). Das Bild entstand auf unserem letzten Seminar Tango Flora Danica© und zeigt verschiedene Formen des Cabeceo. Nur eine  halten wir für angemessen.

 

 

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Das Lächeln der Tänzerinnen könnte missverstanden werden. Blickkontakt durch eine Sonnenbrille wirkt überheblich. Zudem sollte Mann nicht mit dem Finger auf die Dame zeigen. Tangohund Tobit macht es richtig: Offener Blick und tief durchatmen. So hat er es von Ricardo El holandés, dem letzten Meister des Tango alter Schule, gelernt.

 

 

 

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Tango ohne Hund ist möglich, aber nur eine Halbe Sache wie

Aníbal Troilo (Pichuco)

und sein Hund Alma zeigen.

 

 

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Sie führte, ich folgte: Unsere Lehrerin Doña Martina 

 

 

Der berühmteste Tango Vals trägt den Titel "Desde el alma". Er wurde von einem vierzehnjährigen Mädchen aus Montevideo komponiert. Die Pianistin Rosita Melo (1897-1981) heiratete 1922 Victor Piuma Velez. Er schrieb den ersten Text (Poesia) zu diesem Klassiker:

 

"Auch ich, aus ganzer Seele

brachte dir meine Zärtlichkeit dar,

bescheiden und arm,

aber rein und gut,

wie die Liebe einer Mutter,

wie die Liebe zu Gott.

Nach so vielen Leid

ließ deine heilige Liebe mich

die Bitterkeit vergessen,

die ich bis gestern

in Seele und Herzen bewahrte."

 

 

Tango ist Leben nach dem Schiffbruch. An einen Balken geklammert, trieb ich auf dem Meer des Lebens. Da tauchte neben mir eine jener Meerjungfrauen auf, von denen Hans Christian Andersen berichtet. Meine lille Havfrue heisst Undine.

 

 

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Im August 2008 meldete sie uns zu einem Tango-Kurs an. Sie führte, und ich folgte ins Tango Milieu Hannover ("Tango vom Rio de la Plata") zu der Lehrerin Martina Meyer. Von allen wird sie respektvoll Doña Martina genannt. Doña Martina und Josch sind Schüler von Juan Dietrich Lange. Sie unterrichten seit gut 25 Jahren in Hannover.

 

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Doña Martina ist eine Institution und längst hinausgewachsen über alle anderen LehrerInnen. Ihre Milonga am Sonntagnachmittag hat Kultstatus. Nirgendwo in Deutschland werden TänzerInnen jene typisch argentinische Mischung aus gemütlicher Geselligkeit, offener Gesprächsatmosphäre und wunderbarer Musik finden. Doña Martina ist Mama Tango in dem Sinn, wie die Sizilianischen Clanchefs ihren Müttern absoluten Respekt zollen.

 


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Der Tango feiert das Mysterium der Begegnung. Wo sich Menschen begegnen, sind auch Engel: „Milonga eines Engels“, „Tanz eines Engels“, „Tod eines Engels“, „Auferstehung eines Engels“ heißen berühmte Kompositionen Astor Piazzollas (1921-1992). Der Erneuerer des Tangos hat auch zwei Zyklen „Del Diablo“ und „Del Angel“ komponiert.

  

Wie die Schönheit der Perle, so ist der Tango überwundener Schmerz. Jedes Paar zelebriert ihn auf eigene Weise. Die Figuren, die der Anfänger lernt, sind wie die Sprossen einer Leiter, über die man eine neue Ebene erreicht. Wer den Figuren verhaftet bleibt, wird das Geheimnis der Begegnung niemals erfahren. Der Tango beginnt, wo das Figurentanzen aufhört. Tango ist wie das Leben eine Improvisationskunst. Das dialogische Spiel aus Führen und Folgen verlangt ein waches Körperbewusstsein. Es lebt aus der Wahrnehmung des Partners, aus Einfühlungnahme und zugleich aus dem Willen zur Verantwortung für den Ablauf der Bewegung. Tango ist Empathie. Der Führende weist den Weg, indem er Erfahrungsräume anbietet und aufnimmt, was ihm hier geschenkt wird. So wird der Führende zum Geführten.

 

Der Tango lebt aus dem Einfachen: Das ruhige Gehen, die innigen Drehungen und das Umkreisen der Mitte. Die Mitte ist ein spiritueller Schlüsselbegriff. Im Tango liegt sie zwischen den Tänzern. Sie ist der unsichtbare Raum, in den Seele und Herz eintreten. Hier werden sie als Paar zu jener mystischen Einheit, von der die Genesis spricht. "hombre, mujer y pareja", sagt Rodolfo Dinzel. Nur wer sich an der Mitte orientiert, bleibt auch beim Partner. Im schöpferischen Zusammenspiel von Führen und Folgen entfaltet sich das Geheimnis der Mitte. Wie im Leben will das nicht immer gelingen.

 

Auch der Weg der Geführten verlangt einen langen Atem. Er setzt Vertrauen voraus, verlangt Geduld und vor allem den Willen, sich führen zu lassen. Auf diese Bereitschaft sind selbst Schutzengel angewiesen. Tango ist die Erfahrung eines der großen Grundmuster des Lebens: Einerseits gebunden durch unsere Natur, unsere Prägungen und Erfahrungen sind wir dennoch frei. Der Tango lebt aus der Achtsamkeit auf das, was mir im Leben entgegentritt, und der kreativen  Freiheit, mit der ich es aufnehme und weiterspiele. Wie jeder Übungsweg, so kommt auch der Tango an kein Ende. Tango ist wie das Universum unendlich.

 

Vor allen Dingen aber schenkt er Lebensfreude für alle - wie die Bilder mit der bedeutenden Tanzpädagogin und Choreographin Mabel Elena Rivero beweisen.

 

 

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Vom Geheimnis

 

 

 


Tango ist eine kleine Messe, die das Geheimnis des Lebens feiert. Ich hatte den Tango im Blut. Denn bereits im Jahr 1959 begrüßten wir den Heiligen Nikolaus im Kindergarten St. Ida mit einer Moulinete.

 

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Passend zur Mitra des Heiligen trugen wir rote Pilzhüte.

Frühe Erlebnisse prägen.

 

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"Ein Tangopaar kann für einen Zuschauer von einer

überwältigenden Schönheit sein,

die fast schon physisch schmerzt."


Lothar Staudacher (Tio Tarlo). 

Boletin del Tango 50/51 (2009)

 


 

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Tango im Kloster St. Afra (Meißen)

Ein getanztes Pfingstfest

 

 

Du fragst mich, meine Liebe, meine Kleine,

was der Tango ist...

 

(Horacio Ferrer)

 

 

Veni creator spiritus: Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Er kommt wie die Liebe unerwartet und weht, wo er will. Tango ist ein himmlischer Tanz. Wahre Ekstase aber verlangt Askese.

 

 

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Der Tango verlangt hohe Präsenz und Konzentration auf die Bewegung im Spiel von Führen und Folgen. Auf den Tischen im Kloster St. Afra stehen deshalb Flaschen mit Mineralwasser. Getanzt wird im Propsteisaal. Der schöne Holzfußboden ist gerade biologisch dynamisch erneuert worden. Wegen möglicher Fleckenbildung auf dem Parkett hat Johannes Bilz das Rotweintrinken verboten.  Er leitet die Evangelische Akademie. Im Kloster wird der Grauburger aus den Meißener Weinbergen erst gegen Ende der Milonga getrunken. Rekreation heißt die Zeit der gemeinschaftlichen Erholung und des Austausches im Kloster. Wer ins Kloster auf Zeit geht, hofft auf die Begegnung mit Gleichgesinnten. Das gilt auch für die pfingstliche Begegnung im Kloster St. Afra. Sie bietet für vier Tage einen Ort der Konzentration auf das Wesentliche. Tangueros und Tangueras reden nicht, sondern tanzen. Wenn sie nicht tanzen, erzählen sie am liebsten von eigenen Tanzerfahrungen: Die ersten Schritte, die lange Zeit der Anfechtung und des Zweifels an der eigenen Berufung, Streit mit dem Partner, erste Erfolge und folgendes Wohlgefühl, neue Enttäuschungen, auch Berührungsängste. Das Glück des Gelingens.

 

Wie jedes Ritual verlangt der Tango nach Wiederholung: Kein Morgen ohne Messe für den Priester, kein Abend ohne Milonga für den Tänzer. Dies ist kein Zwang, sondern ein tiefes Bedürfnis und eine Übung, so selbstverständlich wie das ruhige, gleichmäßige Atmen. Liturgie ist Spiel, hatte Romano Guardini betont: „Vor Gott ein Spiel zu treiben, ein Werk der Kunst – nicht zu schaffen, sondern zu sein, das ist das innerste Wesen der Liturgie. Daher auch die erhabene Mischung von tiefem Ernst und göttlicher Heiterkeit in ihr.“

 

 

 

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Tango und Liturgie teilen den Charakter des Spiels. „Ordnung, Spannung, Bewegung, Feierlichkeit und Begeisterung“, so der Kulturwissenschaftler Johann Huizinga, sind Merkmale des Spiels. Dazu komme „eine Vorstellung vom Leben“. In ihr „findet das Gefühl des Eingebettetseins des Menschen im Kosmos seinen ersten, höchsten und heiligsten Ausdruck.“ Der Tanz ist die höchste Ausdrucksform des „Homo ludens“ meint Hugo Rahner: „Alles Spiel ist irgendwo am Grunde seines Wesen ein Tanz, ein Reigen um die Wahrheit. Immer war das sakrale  Spiel ein Tanzspiel. Denn in der Rhythmik des Körpers und der Töne vereinen sich alle Möglichkeiten, in sichtbarer Leiblichkeit das auszusprechen, was der Geist meint und ersehnt, und zugleich auch, es keusch zu verhüllen und zu schützen.“

 

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Gute Tänzer gibt es viele. Gute Lehrer wie Ralf und Andrea dagegen wenige. Ihre Haupttugend ist nicht allein die didaktische Kompetenz und ein weit gefächertes Repertoire an Methoden, sondern vor allen Dingen die Gabe zu fördern, ohne zu überfordern. Noch mehr aber muss der Lehrer die Kunst der Binnendifferenzierung beherrschen: Jeder Tänzer folgt seinem eigenen Weg, befindet sich auf einer persönlichen Entwicklungsstufe. Sie will erkannt und achtsam entwickelt werden. Das geht nicht ohne Humor und Gelassenheit. Der Lehrer muss genau hinsehen können. Das Gelingen oder Misslingen einer Bewegung hängt oft an kaum sichtbaren Nuancen. Noch wichtiger aber als die Kunst der Wahrnehmung ist die Kunst des Schweigens. Der wahre Lehrer sieht Fehler und Grenzen, aber er wird sie nicht immer benennen. Alles braucht seine Zeit. Und keine Tanzpädagogik kann vorwegnehmen, was erst der lange Übungsweg schenken wird.

 

 

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Pfingsten ist das Fest der Einheit in der Vielzahl der Stimmen. Der Tango wird zu einer Begegnung, wenn es den Tanzenden gelingt, ganz bei sich und zugleich bei dem anderen zu sein, sodass aus zwei Menschen für einen Moment ein Leib wird. Der Tango ist die Erfahrung des Mysteriums der Schöpfung, der Einswerdung von Mann und Frau.

 

„Ich in dir,

du in mir,

lass’ mich ganz verschwinden,

dich nur sehen nur finden.“

(EG 165.5/GL 387.5)

 

Dieses mystische Einssein wird nicht in jedem Tanz und mit jedem Partner erfahrbar, aber es bildet die Mitte des Tangos. Es ist ein Geschenk. Ein Ereignis. Ein Wunder. Deshalb weist es über sich hinaus in eine andere Dimension. Man kann Tango tanzen, ohne seine spirituelle Erotik wahrzunehmen oder auch nur wahrnehmen zu wollen. Jeder geistliche und körperliche Weg hat unterschiedliche Tiefendimensionen. Sie werden auch im Tango verschieden erlebt und erfahren. Der Tango macht ein Geheimnis sichtbar, ohne es zu enthüllen.

  

Der Tango ist ein Kind der Melancholie. Man braucht die Texte nicht zu verstehen, um dies unmittelbar zu spüren. Melancholie ist die Reaktion auf die Erfahrung höchsten Glücks, die Erfahrung des Einsseins, in der kein Mensch auf Dauer bleiben kann. Der Melancholiker hat die Mitte des Lebens erfahren.

 

Melancholie ist eine große kulturelle und religiöse Energie. Die Tangolieder aus dem Herzen sind verwandelte Schwermut. Wie die hebräischen Psalmen umfassen sie das ganze Leben: Sie sind Lob, Klage, Trauer, Aufschrei, Empörung, Bitte und Gebet. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ (PS 22.2) Das berühmte Zitat aus dem Klagepsalm kehrt in unzähligen Variationen in den Tangoliedern wieder. Vordergründig geht es um Treue und Untreue, Zweisamkeit und Einsamkeit, Verlassenwerden und Wiederfinden. Dahinter aber leuchtet das Drama der Seele zwischen Gottesfindung und Gottesfinsternis auf. Text und Tanz korrespondieren im Tango kontrapunktisch. Das gibt dem Tango den Tiefgang und Realismus. Er verschweigt nichts. Er hat das gesamte Drama des Lebens im Blick. Aber durch die Bewegung verwandelt er es in Herrlichkeit und Schönheit:

 

„Komm, lieb mich so, verrückt, verrückt, verrückt,

öffne dich der Liebe, denn wir werden den tragischen, total

verrückten Versuch unternehmen, wieder zu leben, komm,

flieg“

 

So heißt es in der „Ballade für einen Verrückten“ („Balada para un loco“) von Horacio Ferrer (1933-2014). Von der therapeutischen Erfahrung wissen viele Tangueros und Tangeruas zu berichten. Die Verwandlung des Lebens mit allen seinen Anfechtungen führt zu einer Versöhnung mit sich selbst, dem anderen Menschen, der Vergangenheit, dem Erlebten und Erlittenen. Wie jede Tiefenerfahrung enthält sie aber auch ein spirituelles Potential. Alle Verwandlung und Versöhnung zielt auf einen letzten Punkt. Horacio Ferrer deutet ihn in seiner Ballade mit dem Verweis auf die Welt der Engel an. Tango ist Heimkehr:

 

„Und ein Engel und ein Soldat und ein kleines Mädchen

führen uns einen Walzer vor.“

 

Der Tag im Kloster St. Afra folgt einem Rhythmus. Am Vormittag und Nachmittag werden Trainingseinheiten für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten. Abends findet die Milonga statt.

 


 

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Durch die geöffneten Fenster des Klosters dringt das Angelusläuten von den beiden Kirchtürmen des Meißener Domes. Noch nie habe ich einen Glockenklang in dieser Intensität wahrgenommen. 15 Minuten dauert das Spiel. Das entspricht der Länge einer Tanda. Die Glocken sind ein Gebet wie der Tango. Aber das ist ein Geheimnis. Man muss es nicht teilen und schon gar nicht verbreiten. Es ist ja bereits alles gesagt worden. So erklärt Horacio Ferrer in seinem Psalm „Liebeserklärung an den Tango“ den Tango zum Symbol für ein Leben, das Gott in allen Dingen erfährt und feiert. Tango ist die Erfahrung einer schöpferischen Kraft. Ein Pfingsten, das nie enden wird. Wir haben die Fülle des Lebens gespürt und fahren beschwingt und beflügelt nach Hause:

 

 

„Und Tango ist die bescheidene Hausmesse,

die meine Mutter

auf dem Haufen der sauberen Wäsche hielt,

die sie durch die Stimme ihres Herzens

noch weißer machte.

 

Ich glaube, dass es Tango war,

als wir uns umarmten,

ohne zu wissen, ob es das letzte Mal war.

Und Tango ist die Melancholie

der Alten, die auf den Plätzen

die Seiten ihres Lebens aufblättern.

Und Tango ist die Morgenröte,

jedoch von Geistern schwer geplagt.

Und Tango ist ein schrilles Hupkonzert

bei Sonnenuntergang, wenn du mich nicht findest

und nicht aufhörst, mich zu suchen, meine Liebste.

 

Tango ist etwas, das die Nacht vor sich hin pfeift

und in keinem Repertoire vorkommt.

und Tango ist der Tanz,

der seinen letzten Atemzug machen wird

mit der letzten Galanterie.

Und ich glaube, dass Tango

jede Andeutung eines Wiegenliedes

am Jüngsten Tag ist.

 

Aber jetzt, wo dein angebetetes Gesicht

zu einer Rose der Erinnerung wird,

weiß es nur eins sicher – dass Tango

ist, wie wenn man sagt: ich liebe dich, ich liebe dich,

meine Geliebte,

mein Gott, wie ich dich liebe,

ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich.

Amada mia,

pero, por Dios, cómo te amo,

te amo, te amo, te amo.“

 

Für Undine: Para siempre!

 

 

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"Dann aber wird er die Schönheit in den Seelen

für köstlicher halten als die im Leibe..."

 

Platon. Symposion 210b

 


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Lothar Staudacher (Tio Tarlo) hat mit gut sechzig Ausgaben des "Boletin del Tango" die wichtigste deutschsprachige Kulturgeschichte des Tangos geschieben. In der Jubiläumsausgabe vom Mai 2009 nimmt er Bezug auf Platons Dialog "Symposion" und den Mythos vom Kugelmenschen. Das Geheimnis des Tangos ist die Erfahrung des Schönen. Sie ist eine Idee, also etwas Überweltliches:

 

"Hierin liegt eine wirkliche Initiation. Man kann es nicht vorhersagen, nicht aktiv verfolgen, weder sich wünschen, noch provozieren, es passiert entweder oder es passiert nicht. Aber wenn es einmal passiert ist, dann willst du es wieder haben, ab dann bist du auf der Suche.

 

Es wird von vielen Leuten berichtet, dass sie eine Art metaphysisches Erlebnis haben, einen Flash, du bist außer der Zeit, du fühlst dich von oben auf geheimnisvolle Weise gezogen in eine andere Welt. Die Beschreibungen sind ganz komisch! Anderen geht eine Art inneres Licht auf...

 

Im übrigen, es ist nie so, dass nur ein Teil des Paares von solchen Erlebnissen berichten kann. Wenn, dann spüren es immer beide zugleich!"

 

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